Von Wut zu Trauer ins Vertrauen – Wie der Workshop mit Charles Eisenstein in mir wirkt

Am letzten Wochenende nahm ich an einem Workshop mit Charles Eisenstein teil. Er war organisiert von „The Munich Tribe“ (danke an Mike, Chaitanya, Miriam, Florian und Joscha!) und fand im Impact Hub statt. Hier erlebte ich so intensiv, wie wir Menschen die Sehnsucht einer heileren Innen- und Außenwelt teilen. Ich erlebte eine neue Art von Umweltaktivismus. Hier geht es um eine Geschichte, die jenseits vom „Kampf gegen den Klimawandel“ oder anderen Kämpfen gegen sonstige bösen Aktionen/ Menschen/ Systeme steht. Dabei spielt vor allem die Integration unserer Innenwelten in die Umwelt eine große Rolle.

Wie Einstein schon sagte: Wir können unsere Probleme nicht auf der gleichen Ebene lösen, auf der sie entstanden sind. Wie kommen wir nun also auf die neue Ebene?

Rolle der Wissenschaft

Charles sagt, dass auf der Basis der Zahlen, Daten und Fakten fast jedes Argument irgendwie angreifbar ist. Wer weiß am Ende schon genau, was die Wissenschaftler alles noch herausfinden und wer mehr oder weniger recht hat?

Chaitanya, Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Das alles ändert jedoch nichts an der Verfassung der Erde und damit einhergehend auch unserer Verfassung. Wissenschaftliche Studien sind das eine. Das andere ist das Erleben unserer kranken Natur. Wir gehen am Strand spazieren und uns fällt auf, dass hier viel weniger Lebewesen sind als vor einigen Jahren: die Anzahl der Seesterne, Schnecken, Fische, etc. ist geschrumpft. Die Korallen sind verschwunden. Der Spaziergang kann auch sonst wo statt finden. Die entscheidende Fragen sind: Lassen wir uns davon im Herzen berühren? Ziehen wir daraus Konsequenzen?

Geteilter Schmerz

Gleich zu Beginn unseres Workshops stellen wir fest: Ja, wir lassen uns berühren. Wenn wir jenseits von Wut, Kampf und Schuldzuweisungen in uns hinein spüren, teilen wir eine innere Trauer, Ängstlichkeit und Unsicherheit darüber, wie es mit der Erde weitergeht und welche Rolle wir als Menschen dabei haben dürfen. Hier sind wir am Anfang, denn bisher haben uns unsere Abwehrmechanismen am meisten beschäftigt.

Abwehrmechanismen ertappen

Miriam Wolf, Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Im vorherrschenden Paradigma der Trennung und des mechanistischen Weltbildes, welches die Erde als Ding sieht, sind wir kollektiv von Abwehrmechanismen befallen. Wir haben diese Abwehrmechanismen entwickelt, um Konflikte nicht mehr erleben zu müssen. Beispiele für Abwehrmechanismen sind:
– Verdrängung/ Verleugnung: So schlimm ist das mit dem Plastik schon nicht…
– Projektion: Bevor ich auf die öffentlichen Verkehrsmitteln umsteige, sollte die Stadt erst mal die Fahrpläne günstiger gestalten…
– Abspaltung: ich sehe zwar die gerodeten Waldflächen, doch ich kann dabei keine Trauer spüren. Außerdem habe ich in meinem Alltag genug zu tun…
– Rationalisierung: Ich brauche erst mal mehr Fakten und Beweise zum Klimawandel. Wenn ich nicht überzeugt bin, mache ich mir das Leben nicht komplizierter als es sein muss…
– Konversion: Körperlicher Ausdruck in Form von Krankheiten.
– Verschiebung: Ich konsumiere lieber Drogen als mich den wirklichen Problemen zu stellen…

Workshop im Impact Hub, Quelle: Flow Photography

Abgestumpft durch Abwehrmechanismen sehen wir die Erde als Ding, zu dem wir keine innige Beziehung aufbauen müssen. Leider macht das nicht nur unsere Erde krank. Auch wir werden durch die Trennung von Kopf und Körper krank: eine innere Leere breitet sich aus, wir fühlen uns ausgebrannt und geschwächt. Die Zunahme von Depressionen, Angststörungen und andere psychischen Störungen stehen sicher auch im Zusammenhang mit diesem Trend. Der gerodete Wald brennt auch in unserem Inneren aus. Was, wenn hier ein direkter Zusammenhang besteht?

Heilendes Re-Integrieren

Charles inspiriert mich hinzuschauen und berühren zu lassen. Er schlägt vor, in unser Herz hineinzuhören. Er ermutigt uns unseren Körper zu spüren und dadurch letztendlich auch die Natur und die Lebenskraft durch uns durch fließen zu lassen.

Tanja in der Gruppenarbeit, Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Wenn wir unsere trennenden Abwehrmechanismen ertappen und sie auflockern und loslassen, dann spüren wir im ersten Schritt vielleicht viel bisher verdrängten Schmerz und Trauer. Doch wir werden ganzer und heiler. Wir lernen zunehmend unserer Natur zu vertrauen und lassen uns nicht mehr von wissenschaftlichen Studien verunsichern, die im alten Paradigma der Trennung zu Debatten und Krieg führen. Wir hören in uns hinein und wissen auf einmal, was richtig ist und was nicht richtig ist, was die Natur braucht und was nicht. Wir sind verbunden und stehen dem zu Diensten, was die Welt wirklich braucht.  Dieses Gefühl ist stärker als jedes künstliche Konstrukt, das abgetrennt vom Leben um sein Überleben kämpft…

Fünf Gedanken, zu denen mich Charles inspirierte

1. Der Natur wieder begegnen

Trotz fortgeschrittener Wissenschaft kann uns niemand mit totaler Sicherheit sagen, was die Menschen am besten tun sollten. Bei der fehlenden Landkarte hilft uns ein innerer Kompass. Wir hören (auch) auf unser Herz.

Wir begegnen der Natur und damit uns selbst. Wir hören besser auf unseren Körper, ernähren uns gesünder und gehen nicht über unsere Grenzen. Wir gehen in die Natur, pflanzen einen Baum und atmen die Waldluft ein. Das ist nachhaltig, gesund und eigentlich sehr einfach.

2. Integration des Abgetrennten

Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Unbewusste Abspaltung in unserem Inneren hat weitreichende Folgen. Gehen wir mit der Fülle an Gefühlen und Gedanken in uns auf irgendeine Weise abwehrend um, verlieren wir unsere Ganzheit. Wir können nicht mehr auf alle unsere Ressourcen zugreifen und vieles in unserem Leben kann nicht mehr „rund laufen“. Stress und langfristig auch Krankheit sind die Folge. Typisch für dieses Phänomen ist das pure „Funktionieren“ und ein sehr mechanistisches Weltbild. Wir sind abgekapselt von Körper und Gefühlen und erfüllen einfach unsere Aufgaben. „Stell Dich nicht so an“: gerade wir Deutschen sind gut darin zu funktionieren. Zu einem hohen Preis.

Noch mehr Studien, noch mehr Maßnahmenpläne, noch mehr Schuften: solange wir nicht die Ebene unserer Wahrnehmung wechseln und uns von der Natur im Herzen berühren lassen, erhöhen wir vielleicht weiter unser Bruttoinlandsprodukt. Doch unsere Blicke in die Welt sind leer und ausgebrannt. Besser wäre ein integriertes Wachstum, das nach erweiterten Maßstäben bewertet wird: nicht nur das BIP, sondern auch die seelische und körperliche Gesundheit und das innere Glücksempfinden sollten eine Rolle spielen.

3. Nicht auf die anderen zeigen

Wenn es um die Verbesserung der Welt geht, dann beobachte ich gleich eine Trennung. Auf der anderen Seite der Trennungslinie sind „böse“ oder „dumme Menschen“, die „schlechte Entscheidungen treffen“, „es einfach nicht verstehen wollen“ oder „deren Ego zu groß ist“. Der Fehler wird dort hinter der Trennungslinie gesucht, dort wird hingezeigt und dort steht der Kampf an.

Joscha, Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Wir können die „Bösen“ und die „Guten“ jedoch nicht klar unterscheiden. Das „Böse“ taucht in uns selbst auf, während das „Gute“ allen Menschen unterstellt werden kann, auch den sonst so oft diffamierten „Bösen“. Wenn die Abwehrmechanismen einmal weggelassen werden können, können wir jedem Menschen einen guten Willen unterstellen. Auf dieser Grundhaltung lassen sich Dialoge führen, die wirklich etwas verändern können.

4. An unserem Platz zu Diensten stehen

Charles Eisenstein, Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Viele von uns glauben, dass wir unseren Beitrag maximieren müssen: je höher die Reichweite und die Macht, desto besser. Doch das ist in der Geschichte von Interbeing nicht haltbar. Alles ist miteinander vernetzt und hat seinen Sinn in Wechselbeziehung miteinander. So fällt den meisten Menschen der Name „Nelson Mandela“ ein, wenn nach der wichtigsten Person in der Geschichte Südafrikas gefragt wird. Doch wer weiß das schon? Vielleicht ist die wichtigste Person die Großmutter Mandelas gewesen, die ihrem Enkel dieses Selbstbewusstsein weitergeben konnte, das für seinen Weg so wichtig war. Jeder und alles ist miteinander vernetzt und beeinflusst sich gegenseitig. Auch augenscheinlich unbedeutende Rollen können wesentlich sein. Daher: wir sollten dort zu Diensten stehen und unsere Rolle ausfüllen, wo wir sind. Sei diese Rolle exponiert oder nicht. So wie der Körper kleine und große überlebenswichtige Organe hat und jedes einzelne seine Rolle übernimmt, so sind wir Organe der Welt und sollten unsere Rolle zu Diensten des Lebens annehmen.

5. Soziale Achtsamkeit üben

Quelle: Flow Photography https://www.facebook.com/sabine.schulte.60/

Soziale Achtsamkeit ist eine wesentliche Gabe des Menschen. Wir nehmen nicht nur Daten und Fakten wahr. Wir können auch Stimmungen, Gefühle und Energie wahrnehmen, die uns beeinflussen. Bisher wurde das zumindest im professionellen Umfeld weitgehend ignoriert. Doch jeder Mensch kennt diese Gabe und zunehmend mehr Menschen entdecken den Effekt, wenn die Energie von Gefühlen und Stimmungen in soziale Prozesse nicht ausgeblendet, sondern integriert und verarbeitet wird. Diese Gabe des Bewusstmachens, Erkennens und Nutzens von Energie und Feldern ist vielleicht die wichtigste Gabe von uns Menschen in der heutigen Zeit. Eine sozial achtsame Politik oder Wirtschaft könnte tatsächlich unsere Welt retten.

Mein Fazit

Wir Menschen sind feinfühlige Wesen und unmittelbar verbunden mit der materiellen Welt von Körper und Erde. Unsere Aufgabe ist das Ganz-werden durchs Re-Integrieren von abgespaltenen Gefühlen. Wir gehen raus aus der Trennung in das neue Paradigma der Verbundenheit. Wir fühlen die Erde und ihre Not, erkennen unseren eigenen Schmerz und fassen Mut und Vertrauen für ganz neue Wege im Dienste des schöpferischen Universums. Aus dem Herzen heraus.

Danke Charles und dem Munich Tribe fürs Begleiten.

Mehr Infos über Charles Eisenstein und seine Werke,

Mehr Infos zu Charles‘ Tour in Europa.

Danke an das Evolve Magazin.

Danke an den Alpensalon.

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